Anwälte ohne Grenzen – Lawyers without Borders e.V.“ arbeitet projektbezogen. Alle Projekte sind sowohl juristisch als auch sozial motiviert und grundsätzlich langfristig aufgelegt. Nachfolgend findest Du eine Auswahl unserer aktuellen Projekte:

# Projektname Beschreibung
1 Anhörungsbegleitung und Prozessbeobachtung Während eines Asylverfahrens in Deutschland findet im Rahmen der Prüfung des Asylantrags durch die zuständige Ausländerbehörde eine Anhörung des Asylantragstellers statt. Im Streitfall kommt es zudem im weiteren Verlauf des Verfahrens zur mündlichen Verhandlung vor den Verwaltungsgerichten. Dabei kann es zu Verfahrensfehlern, Missverständnissen und Rechtsverletzungen kommen, die durch unsere Prozessbeobachtungen dokumentiert werden sollen. Ziel der Prozessbeobachtung ist es, den Ablauf der Anhörungen und Verhandlungen nach rechtsstaatlichen Grundsätzen und in Übereinstimmung mit dem geltenden Asylverfahrensrecht zu überwachen, dadurch Rechtsverletzungen vorzubeugen und für Transparenz zu sorgen. Die Prozessbeobachtung richtet sich streng und unparteiisch an dieser Zielsetzung aus und umfasst keinesfalls Rechtsberatung oder Mandatsarbeit; hieraus zieht sie ihre Legitimation. Zur Beobachtung nehmen wir an Anhörungen und Verhandlungen Teil und dokumentieren dabei Verstöße gegen das Gebot eines rechtsstaatlichen Verfahrens. Hierfür sind wir stets auf der Suche nach Freiwilligen, die unsere Arbeit unterstützen.

Kontakt: prozessbeobachtung@lawyers-without-borders.eu

2 Die Dublin Verordnungen Im Dublinverfahren wird der für die Prüfung eines Asylantrags zuständige Staat festgestellt. Damit soll sichergestellt werden, dass jeder Asylantrag nur von einem Mitgliedstaat inhaltlich geprüft wird. Das Verfahren bildet einen zentralen Scheideweg im Verlauf eines Antrags auf Asyl. Ziel unseres Projekts ist die allgemeine Analyse und Stellungnahme zu den Dublin-Verordnungen sowie die Dublin-Verfahrenspraxis in Deutschland. Wir suchen zudem im Austausch mit Kollegen zum Wissens- und Erfahrungstransfer in diesem Themenkreis beizutragen. Durch den aktiven Dialog und den Austausch mit Verwaltung, Justiz und Anwaltschaft, sowie die Dokumentation und Aufbereitung von Erfahrungen bauen wir uns Verständnis der Dublin-Verfahren auf und machen es Kollegen und Betroffenen zugänglich.

Kontakt: seminar@lawyers-without-borders.eu

3 Seminare und Informationsveranstaltungen Das deutsche, europäische und internationale Flüchtlingsrecht hat durch den starken Anstieg der Zahlen Geflüchteter, die in Deutschland und Europa Asyl beantragen, stark an Relevanz gewonnen. Ein sauberes Verständnis der Grundlagen des Flüchtlingsrechts ist in der Zusammenarbeit mit Geflüchteten von zentraler Bedeutung, da ihre rechtliche Stellung in Deutschland alle Details ihres Alltags maßgeblich prägt. Jedoch ist dieses Rechtsgebiet jüngst Gegenstand verschiedener tiefgreifender Reformen, die eine Aktualisierung des Wissenstandes erforderlich machen. Ziel unserer Seminare im Flüchtlingsrecht ist die Wissensvermittlung im Flüchtlingsrecht. Unsere Vorträge vermitteln die gesetzlichen und rechtsdogmatischen Grundlagen des Flüchtlingsrechts anhand von Fällen, die zur Veranschaulichung der gesetzlichen Regelungen entwickelt wurden. Unsere Zielgruppen hierbei sind hauptsächlich andere Helferorganisationen. Die Seminare und Vorträge können beim Verein angefragt werden. Eine Abstimmung von Umfang und Inhalten ist möglich. Die Vergütung erfolgt in Form einer Spende von freiwilliger Höhe an den Verein.

Kontakt: seminar@lawyers-without-borders.eu

4 Projekt Libanon Im Libanon treffen Migranten auf starke Diskriminierung und Rassismus. Insbesondere Hausmädchen, die Migrant Domestic Workers, sind hiervon stark betroffen, denn sie leben in starker Abhängigkeit von ihrem Arbeitgeber. Sie sind als illegale Einwanderer vom libanesischen Arbeitsrecht ausgeschlossen. Für sie gilt das sog. Kafala System, welches sie und ihren Aufenthaltsstatus an ihren Arbeitgeber bindet. Anwälte ohne Grenzen möchte durch sein Engagement im Libanon die rechtliche Lage der Hausmädchen verbessern. Unsere Aktivitäten fokussieren sich auf diejenigen Frauen, die aufgrund von Unstimmigkeiten in ihren Arbeitsverhältnissen inhaftiert wurden. Ziel ist es die Frauen vor Willkürentscheidungen zu schützen und einen ordnungsgemäßen hoheitlichen Verfahrensablauf zu fördern. Die Partnerorganisation von Anwälte ohne Grenzen im Libanon, das Antirascism Movement (ARM), versucht den Betroffenen von Misshandlungen und menschenunwürdiger Behandlung eine Möglichkeit zu geben Hilfe zu suchen und sich auszutauschen. Außerdem versucht das ARM selbst zu intervenieren wenn es von solchen Fällen erfährt. In Beirut hat das ARM sein größtes Projekt: das Migrant Community Center (MCC). Im Rahmen dieser Strukturen möchte Anwälte ohne Grenzen Rechtsbeistand gewähren und ein Netzwerk von engagierten Anwälten vor Ort aufbauen.

Kontakt: lebanon@lawyers-without-borders.eu

5 Projektgruppe Berlin Die Projektgruppe Berlin beschäftigt sich aktuell mit Fragen des Ausländer- und Asylrechts im weiteren Sinne. Auf Seiten der Berliner Bevölkerung herrscht ein verhältnismäßig offenes und wohlwollendes Klima gegenüber der aktuellen Flüchtlingssituation. Die Betreuungslage für Flüchtlinge in zentrumsnahen Regionen Berlins ist insoweit erfreulich, als dass hier eine Vielzahl von ehrenamtlichen Helfern und Organisation anzutreffen ist. Es hängt jedoch oft vom Zufall ab, inwieweit der Ratsuchende für seine konkreten Bedürfnisse eine geeignete Beratungsstelle findet. Der Vernetzungsgrad zwischen den einzelnen Organisationen ist durchwachsen. In den Außenbezirken Berlins sowie im brandenburgischen Umland stellt sich die Situation anders dar. Zum einen ist hier die Akzeptanz auf Seiten der Bevölkerung bedauerlicherweise zum Teil deutlich schwächer ausgeprägt, zum anderen mangelt es vielfach an der Dichte eines qualitativ mit Berlin vergleichbaren Beratungsangebots. Mitursächlich sind hier sowohl die geringe Bevölkerungszahl, als auch die geringe Bevölkerungsdichte sowie die Tatsache, dass Einrichtungen für Flüchtlinge regelmäßig in schwach besiedelten Gebieten anzutreffen sind. In Berlin möchte die Projektgruppe durch den Aufbau eines Netzwerks von Organisationen Synergieeffekte des vielfältigen Beratungsangebots fördern. Insbesondere soll ein Verzeichnis von Kanzleien und rechtlichen Beratungsstellen erstellt werden und so eine Zusammenarbeit mit dem Verein ermöglicht werden. In den ländlichen Regionen Brandenburgs ist langfristig geplant die Aufklärungssituation in den Flüchtlingsheimen zu verbessern. Aufgrund der bislang noch geringen Mitgliederzahl der Projektgruppe, sollen zunächst ehrenamtlich Engagierte vor Ort durch Schulungen, Informationsmaterialen und Ansprechpartner unterstützt werden. Ferner ist beabsichtigt auf kommunaler Ebene Informationsveranstaltungen für interessierte Bürger, idealerweise bereits vor Einrichtung neuer Flüchtlingsheime, durchgeführt werden. Durch die frühzeitige Einbindung und Aufklärung der Bevölkerung über die Rechtsstaatlichkeit der flüchtlingspolitischen Abläufe und durch das Aufzeigen der Rechte und Pflichten der Flüchtlinge, aber auch der erheblichen Schwierigkeiten, denen sich diese ausgesetzt sehen,  erhoffen wir einen Beitrag für ein harmonisches Zusammenleben leisten zu können. Wichtig sind hierbei die politisch neutrale Ausrichtung des Vereins und die rechtsdogmatisch und nicht ideologieorientierte Ausrichtung der Informationsveranstaltungen.

Kontakt: berlin@lawyers-without-borders.eu

Anwälte ohne Grenzen (AoG) - Lawyers without Borders (LwB) e.V.